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Gamesüchtig oder nicht? Symptome, Kriterien und Test

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Symptome - Was ist normales Gameverhalten und ab wann ist man gamesüchtig?

 

gamesucht symptomeSeit einiger Zeit wird exzessiver Videospielkonsum auch aus medizinischer Sicht als Sucht anerkannt und fand unter dem Titel "Internet Gaming Disorder" Eingang ins Diagnostische Manual "DSM V". Viele Eltern fragen sich, ob ihr Kind nun gamesüchtig ist oder nicht. Anbei eine Auflistung der diagnostischen Kriterien, wie sie von Psychologen und Psychiatern verwendet werden. Fünf von neun Kriterien müssen innert der letzten 12 Monate aufgetreten sein, damit die Diagnose gestellt werden kann. Natürlich ist es nicht so gemeint, dass Sie als Eltern eine Diagnose machen sollten aber vielleicht sind die Kriterien hilfreich dafür, sich ein differenziertes Bild zu machen und zu entscheiden, ob eine Fachperson involviert werden sollte. Die Kriterien sind:


 

  • Übermässige Beschäftigung mit Internetspielen
  • Entzugssymptomatik, wenn das Spielen von Internetspielen wegfällt
  • Toleranzentwicklung - das Bedürfnis, zunehmend mehr Zeit mit dem Spielen von Internetspielen zu verbringen
  • Erfolglose Versuche, die Teilnahme an Internetspielen zu kontrollieren
  • Interessensverlust an früheren Hobbys und Freizeitbeschäftigungen als Ergebnis und mit Ausnahme des Spielens von Internetspielen
  • Fortgeführtes exzessives Spielen von Internetspielen trotz der Einsicht in die psychosozialen Folgen
  • Täuschen von Familienangehörigen, Therapeuten und anderen bezüglich des Umfangs des Spielens von Internetspielen
  • Nutzen von Internetspielen, um einer negativen Stimmung zu entfliehen oder sie abzuschwächen
  • Gefährdung oder Verlust wichtiger Beziehungen, der Arbeitsstelle oder Ausbildungs-/Karrieremöglichkeiten

Kriterien nach Rehbein, D. Baier, M. Kleimann, T. Mößle (2015).  CSAS (Computerspielabhängigkeitsskala)


Die Schwelle für die Erfüllung der Diagnose ist meines Erachtens nach ziemlich hoch angesetzt. Ich bin vielen vermeindlich "gamesüchtigen" Jugendlichen begegnet, die die Suchtkriterien nur knapp - oder gar nicht erfüllen, deren Spielverhalten aber trotzdem sehr auffällig ist. Exzessiver Spielkonsum (d.h. wenn der Jugendliche quasi in jeder freien Minute spielt) über längere Zeit soll auf jeden Fall als Warnsignal verstanden werden. Andere Warnsignale finden Sie weiter unten.


Entspannen wo möglich, handeln wo nötig

Ist Ihr Kind gamesüchtig? Schauen Sie genau hin. Die vorliegende Tabelle soll eine Orientierung bieten. Entspannen Sie sich wo es möglich ist und handeln sie, wo es notwendig ist! Grundlage für die nachfolgende Tabelle sind therapeutische Erfahrungen aus der Arbeit mit gamesüchtigen Jugendlichen und deren Eltern. 

Entspannen Genau hinschauen Handeln!
Schule gute Noten Noten sind gesunken Noten sind sehr schlecht oder stark gesunken
Klasse Ihr Kind fühlt sich wohl in der Klasse und erzählt hie und da von Erlebtem Ihr Kind fühlt sich teilweise wohl in der Klasse Ihr Kind fühlt sich unwohl in der Klasse
Freunde Es kommen oft Freunde nach Hause ausserhalb der Schule trifft Ihr Kind selten Freunde Es gibt nur sehr lose- oder gar keine Kontakte mit Freunden
Beziehung Sie spüren teilweise wie es ihrem Kind geht Sie spüren immer weniger wie es Ihrem Kind geht Ihr Kind zieht sich innerlich völlig zurück
Kommunikation und Regeln Ihr Kind kann sich an einige Regeln halten Ihr Kind hält sich selten an Regeln Ihr Kind lässt mit sich nicht über Regeln sprechen
Hobbys Ihr Kind betätigt sich regelmässig sportlich Es gibt mind. 1 nicht-sportliches Hobby dem ihr Kind unregelmässig nachgeht Es sind keine Hobbys vorhanden
Gamen Der PC / die Playstation / die Xbox werden unregelmässig verwendet Es wird täglich gespielt Die Geräte laufen in der Regel ständig
Gamen mit Freunden Das Lieblingsspiel ihres Kindes spielen viele in seiner Klasse - auch zusammen Ihr Kind interessiert sich für ganz andere Spiele als die Kollegen und spielt alleine kann nur über das Spiel Freundschaften knüpfen
Erfolgserlebnisse Erfolg entweder in der Schule / im Sport / beim anderen Geschlecht Ihr Kind hatte seit längerer Zeit keine Erfolgserlebnisse mehr Erfolgserlebnisse sind gar nicht vorhanden oder liegen sehr lange zurück
Kontakt zu männlichen Vorbildern Es gibt eine intakte Beziehung mit einem männlichen Vorbild Beziehungen mit männlichem Vorbild sind Konfliktbehaftet Es gibt gar keine Beziehung zu einem männlichen Vorbild
Zukunftsperspektive Es wird Verantwortung für die eigene Gesundheit und Ausbildung übernommen Die Prioritäten und Zukunftspläne Ihres Kindes sind ihnen unklar Es gibt keinen positiven Zukunftsentwurf und die Prioritäten sind i.d.R. Vermeidung von Stress / Probleme werden ständig aufgeschoben

   


Für Jugendliche: Auf der Seite computersucht.help findet sich ein Selbsttest (Kurzfragebogen zu Problemen mit Computergebrauch),  mit dem Du herausfinden kannst, ob Du gefährdet bist.

Hier gehts zum Computerspielsucht Onlinetest auf...

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