Mit Jugendlichen über die Risiken des Internets sprechen - Tipps für Eltern

Über diese 6 Internet-Risiken sollten Sie mit Ihren Kindern sprechen

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Teenager haben keine Wahl – sie wachsen mit dem Internet auf und können sich nicht vorstellen, wie ihre Eltern vor 20 oder 30 Jahren ohne Internet überlebt haben. Ein Smartphone zu haben gehört für die Teenager heute dazu und auch die meisten Eltern sehen das so und sind froh, wenn sie ihre Kinder jederzeit anschreiben und erreichen können. Potentiell verfügen Jugendliche über einen uneingeschränkten Zugang zum Internet. Über die Hälfte der 10-11-jährigen verfügen über ein eigenes Smartphone (Quelle: Statista.de). Bei den 12-jährigen sind es dann nahezu 100 Prozent (James-Studie).


Früher war nicht alles besser – aber anders

Natürlich – auch früher war es nicht ausgeschlossen, dass Jugendliche schädlichen Inhalten begegneten. In den Achzigerjahren haben sich Jugendliche voller Scham an den Bahnhof begeben, um ein Heft mit pornografischen Inhalten zu kaufen. Der strenge, prüfende Blick der Kioskverkäuferin war vorprogrammiert. Die Heftchen wurden zuhause gehortet und vor Mama versteckt. Wenn jemand einen «Schmuddel-Film» besass, wusste es das halbe Dorf. Heute sind die Hemmschwellen, solchen Inhalten zu begegnen viel niedriger. Rasend schnell sind Inhalte kopiert, versendet, verbreitet. Zudem sind die Gefahren, die das Internet mit sich bringt, vielfältiger und komplexer als früher.


Tatsache: Die meisten Jugendlichen begegnen übers Internet schädlichen Inhalten

Im Alter von 15-16 Jahren sind schon über drei Viertel der Jugendlichen schädlichen Inhalten über das Internet begegnet. Es ist wichtig, dass Jugendliche über die Gefahren, die das «vernetzt sein» mit sich bringt, Bescheid wissen. Es ist die Aufgabe von Eltern, potentielle Gefahren, die das Internet / das Smartphone mit sich bringen, schamlos anzusprechen, um ihre Jugendlichen zu befähigen, damit umzugehen. Im Folgenden sollen sechs Gefahren, die das Internet für Jugendliche birgt, thematisiert und diskutiert werden.


Risiko 1: Unangemessene pornografische- oder gewalttätige Inhalte

Jugendliche sind neugierig und sensationslustig. So erkennen Sie oft noch nicht richtig, was ihnen gut tut und was nicht. Für Jugendliche ist es sehr einfach, über Suchmaschinen wie Google oder Bing an sexuelle- oder gewalttätige Inhalte zu gelangen, sofern die entsprechenden Geräte nicht per Kinderschutzsoftware gesichert sind. Ebenso können Kinder- und Jugendliche relativ einfach Spiele oder Filme herunterladen, die nicht für ihr Alter geeignet sind. Auch ohne eigenes Zutun können Kinder mit gewalttätigen- oder pornografischen Inhalten konfrontiert werden – beispielsweise, wenn sie über WhatsApp von Kollegen ebensolche zugesendet erhalten oder auf der Internetseite, wo sie beispielsweise Trickfilme schauen wollen ein pornografisches Pop-Up erscheint. Oder sie scrollen sich durch Facebook und treffen auf Bilder von misshandelten Tieren, die von einer Tierschutzorganisation (natürlich mit guten Absichten) stammen. Übrigens: Auch in Nachrichten- und News-Sendungen sind Kinder nicht vor Inhalten geschützt, die ihnen nicht gut tun oder sie belasten können.


Risiko 2: Cybermobbing

Unter Cybermobbing versteht man, dass jemand mittels neuen Medien «gehänselt», «blossgestellt» der «fertiggemacht» wird. Dies kann dadurch geschehen, dass peinliche Bilder oder Gerüchte über jemanden verbreitet werden. Dies alles geschieht in geschlossenen virtuellen Räumen, wie z.B. WhatsApp-Gruppen, wo Erwachsene keinen Zutritt haben. Gerade in der sensiblen Phase der Pubertät, wo es für den Jugendlichen darum geht, seine Identität zu finden und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, kann dies verheerenden Schaden anrichten. Aus Scham und in der Hoffnung, dass es «irgendwann von selber aufhört» wenden sich viele betroffene Jugendliche erst sehr spät an Ihre Eltern oder Bezugspersonen. Oftmals besteht die Angst, dass es durch den Miteinbezug von potentiellen Hilfspersonen wie Lehrern oder Mitschülern noch viel schlimmer wird. Eltern sollen mit ihren Kindern darüber sprechen, dass sie die Rechte am eigenen Bild haben und diese ermutigen, im Falle von Cybermobbing sofort zu reagieren. Besonders betroffen von Cybermobbing sind leider auch Jugendliche, die auch im realen Alltag ausgegrenzt werden. Hier sind neben den Eltern ebenfalls die Schulen gefordert, diese Dynamiken im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof genau zu beobachten und die Eltern entsprechend zu informieren.

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Cybermobbing und Sexting können auf Jugendliche fatale Auswirkungen haben.

Risiko 3: Sexting

Unter Sexting versteht man das Versenden von explizit sexuellen Bildern per Internet. An sich ist es nichts schlimmes, wenn Jugendliche (oder auch Erwachsene) erotische Bilder von sich versenden, solange alle beteiligten einverstanden sind und sich an Regeln halten und somit niemand zu Schaden kommt. Dennoch ist es unsicher, gefährlich und sicherlich nicht empfehlenswert. Denn das Versenden erotischer Inhalte kann sehr schnell außer Kontrolle geraten, so dass Jugendliche massiv unter Druck geraten- ja sogar erpresst werden können. Sehr zu empfehlen für Jugendliche und Eltern ist der Film «Upload», der sich mit diesem Thema dezidiert auseinandersetzt.

Für Jugendliche ist eine besondere Vorsicht mit ihrer Intimsphäre geboten. Manche Jugendliche gehen irrtümlich davon aus, dass sie dadurch geschützt sind, dass sich die Inhalte, die sie versenden nach einer gewissen Zeit automatisch löschen (z.B. Snapchat). Dies ist deshalb ein Irrglaube, da sich diese z.B. leicht abfotografieren lassen. Einmal beim Empfänger auf dem Bildschirm angekommen, hat der Sender jegliche Kontrolle über die gesendeten Inhalte verloren.


Risiko 4: Kontakt mit Fremden

Apps wie Badoo oder Tinder, so wie Datingseiten im Internet sind Möglichkeiten, wie viele Jugendliche auf Partnersuche oder auf die Suche nach dem schnellen Abenteuer gehen. Fremde Personen zu treffen, die man «im Internet kennengelernt hat» kann ein unkalkulierbares Risiko sein. Nicht zuletzt deshalb, weil der Chat übers Internet die trügerische Sicherheit vermitteln kann, jemanden «wirklich zu kennen».

Richtig gruselig wird es, wenn man weiblichen Teenagern zuhört, wie schnell und explizit man in Chaträumen angesprochen wird. Ein gesundes Selbstbewusstsein und eine grosse Portion Vorsicht kann Jugendliche vor unangenehmen oder gefährlichen Erfahrungen schützen.

Im Falle eines Treffens mit einer Bekanntschaft aus dem Internet sollten Jugendliche immer eine Drittperson informieren. Treffen sollte man sich nur mit jemandem, dessen Identität nachweislich geklärt ist (z.B. Wohnort, Festnetznummer, etc.). Solche Treffen sollten immer an neutralen, öffentlichen Orten stattfinden.


Risiko 5: Exzessiver Konsum

Der Umgang mit den Möglichkeiten eines Smartphones ist für Jugendliche sehr schwierig. Besonders jüngere Jugendliche sind rein von der Hirnentwicklung her noch gar nicht fähig, den Konsum von sozialen Medien, Videospielen, etc. zu kontrollieren oder zu regulieren. Jugendliche sind deshalb auf eine Reglementierung seitens Eltern solange angewiesen, bis sie einen «vernünftigen Umgang» mit neuen Medien an den Tag legen können (Beispielsweise sich an Abmachungen halten, Zeit selber begrenzen, alltäglichen Pflichten nachgehen, etc.). Jugendliche sind besonders dann gefährdet, exzessiv Medien zu konsumieren, wenn Eltern sich zu wenig in der Medienerziehung engagieren.


Risiko 6: Kostenfallen

Mittlerweile unterbinden viele Erwachsene den Datenverkehr im Ausland sofort, um unnötige und völlig überteuerte Roaming-Kosten zu vermeiden. Jugendliche halten das Internet und die damit verbundene Freiheit, jederzeit auf alles zugreifen zu können, oft für viel selbstverständlicher als Erwachsene und laufen Gefahr, in eine solche Kostenfalle zu geraten.

Es gibt unzählige Kostenfallen, auf die Jugendliche im Internet stossen können. Der sicherste Weg, solche «Schäden» in Grenzen zu halten ist ein Pre-Paid-Abo, welches verhindert, dass man Geld ausgibt, das man nicht hat. Mittlerweile gibt es auch Pre-Paid-Kreditkarten für Einkäufe im Internet, welche nach demselben Prinzip funktionieren.


So schützen Sie ihr Kind

  • Ermutigen Sie Ihr Kind, im Falle einer Begegnung mit einem Risiko, jederzeit ohne negative Konsequenzen zu Ihnen kommen zu können. Zur Erinnerung: oftmals begegnen Kinder und Jugendliche ohne ihr eigenes Zutun Risiken.
  • Drohen Sie nicht damit, das Internet oder das Handy zu entziehen, falls Ihr Kind von einem Erlebnis mit schädlichen Inhalten berichtet. Sonst werden Sie es das nächste Mal nicht mehr erfahren.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind bevor etwas passiert. Eine gute Idee wäre beispielsweise, die Gefahren des Internets beim Kauf eines Smartphones zu thematisieren.
  • Sichern sie technische Geräte mit einer Kinderschutzsoftware, um Ihr Kind vor der Begegnung mit schädlichen Inhalten und exzessivem Konsum zu schützen. Hier finden Sie ein Jugendschutzprogramm, dass ich sehr empfehlen kann. Aber Achtung: Verlassen Sie sich nicht auf den Kinderschutz! Er macht Ihnen das Leben als Eltern vielleicht ein wenig einfacher, aber erspart keinesfalls die Vermittlung von Medienkompetenz an Ihre Kinder und das regelmäßige Gespräch.
  • Sprechen sie offen und ohne Scham auch über schwierig zu vermittelnde Themen wie Pornografie oder Gewaltdarstellungen. Natürlich werden sich die Kinder dafür nicht bedanken und ein solches Gespräch kann für Kinder (wie auch Eltern) peinlich sein. Kinder hören ihren Eltern aber trotzdem zu und darum geht es.

Weiterführender Link: eukidsonline.ch


 

 

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