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Erziehung – Was sind gute Regeln?

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In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, wie wichtig es ist, dass Eltern ihrem Gefühl trauen und Regeln über den Medienkonsum ihrer Kinder machen, wenn sie merken, dass etwas nicht mehr stimmt. Heute möchte ich genauer darauf eingehen, was denn „gute Regeln“ überhaupt sind, was sie auszeichnet und wie man sie macht. Natürlich sind Videospiele und Neue Medien ein Bereich, der sehr oft reglementiert wird. Meine folgenden Überlegungen sind aber allgemein und nicht (nur) aufs Thema Erziehung rund um Videospiele bezogen.


Für was sind Regeln überhaupt da?

Regeln in der Erziehung sollen Kindern und Eltern Sicherheit bringen und Werte vermitteln. Viele Eltern befürchten, durch die konsequente Umsetzung von Regeln von ihren Kindern als zu streng oder autoritär betrachtet zu werden. Richtig gemacht ermöglichen Regeln Kindern und Eltern aber viel Sicherheit und Orientierung und erleichtern das Zusammenleben. Kinder brauchen von Eltern eine klare Linie und müssen lernen, sich an Regeln zu halten und diese zu verinnerlichen, damit sie auf das Erwachsenenleben gut vorbereitet sind. Eltern müssen sich überlegen, welchen Rahmen sie für Kinder schaffen wollen, um ihnen eine bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen und welche Werte sie ihren Kindern dabei mitgeben wollen.


Was zeichnet gute Regeln aus?


1.) Sie sind dem Entwicklungsstand des Kindes angemessen und flexibel

Regeln sollen Kinder fördern und fordern aber auch nicht überfordern. Eltern müssen sich Gedanken dazu machen, welche Entwicklungsaufgaben ihr Kind hat und mit welchen Regeln man diese Entwicklung unterstützen könnte. Beispiel: Kevin (12) muss unter der Woche um 20:30 im Bett sein. Er hält sich nie an diese Regel. Bei der Diskussion mit Kevin merken die Eltern, dass diese Regel seinem Alter und seiner Entwicklung nicht mehr entspricht. Kevin macht einen Vorschlag: „Ich beweise euch, dass ich mich daran halten kann, eine halbe Stunde später ins Bett zu gehen“. An die neue Regel (ins Bett um 21:00) hält er sich tadellos… (…für ein Jahr und dann starten die Verhandlungen erneut).


2.) Sie bringen einen Mehrwert für Eltern und Kind

Gute Regeln bringen bei Einhaltung und bei Nichteinhaltung einen Mehrwert für die Familie. Bei Einhaltung führen sie zu gegenseitigem Vertrauen. Eltern merken, dass ihr Kind das Verlangte umsetzen kann und das Kind hat die Sicherheit, dass die Eltern ihm vertrauen und zufrieden sind. Wenn ein Kind Regeln konsequent einhalten kann, sollte dies auch durch mehr Vertrauen und Freiheit belohnt werden. Bei Nichteinhaltung zeigen gute Regeln ein Potential oder ein Problem auf. Beispiel: Kevin (12) ist immer unpünktlich, obwohl es die Regel gibt, unter der Woche um 18:00 zuhause zu sein. Durch das Nichteinhalten dieser Regel bemerken die Eltern, dass sie Kevin fordern müssen. Die Eltern beschließen, dass Kevin – sofern er zu spät kommt – am darauffolgenden Abend nicht raus darf.


3.) Sie sind einfach, klar und überschaubar

Regeln müssen nicht aufgeschrieben werden, wenn sie einfach, klar und überschaubar sind. Überlegen Sie sich als Eltern, welche Regeln Ihnen wirklich wichtig sind und auf welche Regeln man verzichten könnte. Werden zu viele Regeln gemacht, kann dies zu Verunsicherung von Eltern und Kindern führen.


4.) Sie sind gemeinsam verhandelt

Kinder können und wollen sich viel besser an Regeln halten, wenn sie miteinbezogen werden und mitverhandeln können. Nehmen Sie Ihr Kind als einen Verhandlungspartner ernst und stellen Sie die Frage: „um welche Zeit würdest Du vorschlagen, dass Du nach Hause kommst heute?“. Wenn Kinder so gefragt werden, sind positive Überraschungen nicht ausgeschlossen. Oftmals sind Kinder – wenn sie ernst genommen werden – zu erstaunlich vernünftigen Kompromissen bereit. Lassen sie sich als Eltern auch mal auf Kompromisse ein und geben Sie so dem Kind die Chance, sich zu beweisen.


5.) Sie sind umsetzbar und kontrollierbar

Regeln nützen herzlich wenig, wenn sie nicht kontrolliert werden können. Unkontrollierbare Regeln können dazu führen, dass das Kind gegen Regeln verstößt, ohne dass Eltern dies merken. Verstoßen Kinder gegen Regeln ohne dass dies bemerkt wird, nehmen Kinder die Regeln und auch die Eltern weniger ernst. Ein Beispiel: Kevin darf am Tag eine Stunde „Minecraft“ am PC spielen. Die Eltern arbeiten aber jeden Tag bis um fünf und können nicht kontrollieren, wie viel Kevin am Mittwochnachmittag spielt. Deshalb beschließen sie, den Mittwochnachmittag von der Regel auszunehmen, weil die Gefahr bestünde, dass Kevin zu unrecht verdächtigt würde. Die Eltern bitten Kevin, die Gamezeit am Mittwochnachmittag aufzuschreiben, so dass darüber diskutiert werden kann, wenn es zu viel wird.

 

 

 

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