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Gamen oder Hausaufgaben? – Eine Herausforderung für Eltern und Kinder

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Immer wieder habe ich das Gefühl, dass Eltern schier daran verzweifeln, dass es ihren Jugendlichen nicht gelingt, „vernünftige Prioritäten“ zu setzen. Eltern können oft nicht verstehen, warum ihr Kind den ganzen Abend am PC ist, statt auf die Prüfung von übermorgen zu lernen. Die ganze Problematik lässt sich auf eine einfache Formel bringen:


Pubertierendes Gehirn + Leistungsgesellschaft + Spass auf Knopfdruck = Schwierigkeiten.


Pubertierendes Gehirn

Während die meisten Gehirnareale mit dem Abschluss der Pubertät vollständig entwickelt sind, ist der „Frontale Kortex“ frühestens mit 20 Jahren vollständig ausgebildet. Genau dieser Teil des Gehirns ist u.a. zuständig für eine Eigenschaft, die in unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist: Triebaufschub. Der Frontale Kortex ermöglicht es uns, „vernünftige, erwachsene, vorausschauende“ Entscheidungen zu treffen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist das „Stanford Marshmallow-Experiment (1972)“.

Ein Beispiel: Max ist 12 Jahre. Er bekommt jede Woche 15 Franken Sackgeld. Er überlegt sich, ob er die 15 Franken jetzt sofort für Süssigkeiten ausgeben soll (ein aus seiner Sicht kleiner sofortiger Gewinn) oder ob er 4 Wochen sparen soll um sich ein paar neue Kopfhörer für 60 Franken kaufen soll (ein aus seiner Sicht grösserer, verzögerter Gewinn). Vor der gleichen Aufgabe steht Max auch mit 19 Jahren nach dem Gymi. Soll er jetzt arbeiten gehen um Geld zu verdienen (subjektiv kleiner, sofortiger Gewinn) oder soll er nochmals 5 Jahre an die Uni, um (aus seiner Sicht) bessere Berufsperspektiven zu haben (subjektiv grösserer, verzögerter Gewinn)? Die Antwort darauf, wie sich Max in diesen zwei Situationen entscheiden wird, hängt davon ab, wie es um die Reifung seines Frontallappens steht. Ist er schon ausgereift, wird es ihm eher gelingen, sich für die jeweils zweite Option zu entscheiden.


Leistungsgesellschaft

Unsere Gesellschaft stellt schon früh hohe Anforderungen an unsere Kinder. Sie verlangt sehr oft danach, kleine sofortige Gewinne zugunsten von grösseren, potentiellen, zukünftigen Gewinnen aufzuschieben. Max hat das schon gemerkt, als er 15 Jahre alt war. Da stand er jeden Tag vor dieser Entscheidung: „Soll ich jetzt Englisch büffeln, damit ich vielleicht irgendwann in ferner Zukunft bessere Chancen habe, einen Beruf zu finden (subjektiv grösserer, verzögerter Gewinn)? Oder setzte ich mich an den PC und belohne mich für den strengen Schulalltag (subjektiv kleinerer, sofortiger Gewinn)?“.


Spass auf Knopfdruck

Für Jugendliche ist es heute enorm leicht, sich „auf Knopfdruck“ mit Videospielen, Chatten etc. zu belohnen und den alltäglichen Pflichten zu entfliehen. 76 Prozent der Haushalte mit 12-19 jährigen Jugendlichen verfügen über eine Spielkonsole und 98 Prozent der 12 bis 19 Jährigen besitzen ein eigenes Handy (James-Studie, 2014). Die Versuchung für die Jugendlichen, ihr Gehirn mit Glückshormonen zu versorgen, ist also ständig präsent.


Wie wir Jugendliche darin unterstützen können:

  1. Verständnis: Es ist wichtig, dass Eltern Verständnis dafür haben, dass Jugendliche rein von der Hirnentwicklung noch nicht wirklich dazu fähig sind, „erwachsene, vernünfige“ Entscheidungen zu treffen wie: „Vor dem Gamen mache ich zuerst mal Hausaufgaben“.
  2. Begleiten: Eltern müssen ihre Kinder darin begleiten, vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Jugendliche profitieren davon, wenn Erwachsene ihre Entscheidungen mit ihnen zusammen reflektieren. Eltern müssen dies auch vorleben.
  3. Fördern und fordern: Ermutigen Sie ihre Kinder dazu, langfristig zu denken (Bsp. Geld sparen, „wenn Du bis 18 nicht rauchst, zahlen wir den Führerschein“, „wenn Du Dein Zimmer 3 Wochen lang aufgeräumt halten kannst, gehen wir ans Justin Bieber Konzert“ o.ä.). Setzen Sie Grenzen von Aussen, wo es Ihrem Jugendlichen noch nicht gelingt, „vernünftige Entscheidungen“ zu treffen (Bsp. Handy nachts um 21:00 in die Küche zum Aufladen statt im Kinderzimmer).
  4. Belohnung: Wenn es dem Kind gelingt, vorausschauend und vernünftig zu planen, ist es wichtig, dass Sie als Eltern dieses Verhalten bemerken und wertschätzen.

 

 

 

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