Fragen von Eltern zum Thema Jugendliche und Videospiele

Fragen von Eltern zum Thema Jugendliche und Videospiele

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Mein Kind spielt 4-5 Stunden täglich, was soll ich tun?

Leider haben recht viele Jugendliche einen derart hohen Spielkonsum. Hinter einem exzessiven Spielkonsum verbergen sich oft andere Themen, die Jugendliche belasten. Negative Gefühle werden durch das übermäßige Gamen oft "betäubt". Verlieren Sie die Beziehung mit ihrem Jugendlichen, gelingt es Ihnen nicht mehr, verbindliche Regeln zu machen und sinken die Schulnoten, dann sollten Sie sich an einen Psychologen oder Psychiater wenden. Vertrauen sie Ihrem Gefühl, Sie merken, wenn etwas nicht mehr stimmt. Sie können auch mich fragen, damit wir uns gemeinsam ein Bild machen können. Hier lesen Sie die Kriterien einer Gamesucht nach.


Mein Kind spielt Spiele ab 18, soll ich das verbieten?

Es kommt darauf an, wie Sie die Situation einschätzen. Es ist nicht in jedem Fall verkehrt, wenn z.B. ein 17 jähriger Jugendlicher Spiele ab 18 spielt. Das kommt auf seine individuelle Entwicklung an. Handkehrum haben Sie als Eltern aber das Recht, Regeln zu machen Ihrem Kind Spiele zu verbieten, die für sein Alter nicht geeignet sind. Finden Sie heraus, was Ihr Sohn/Ihre Tochter an diesem Spiel mag und um was es im Spiel geht. Reflektieren Sie die Inhalte des Spiels zusammen mit Ihrem Kind und machen Sie sich ein Bild davon, wie "erwachsen" und vernünftig Ihr Kind damit umgehen kann. Wenn Ihr minderjähriges Kind durch Sie das Recht zugesprochen bekommt, Spiele ab 18 zu gamen, hat Ihr Sohn/Ihre Tochter Ihnen gegenüber eine "Beweispflicht". Sie können von Ihrem Kind verlangen, dass er/sie Ihnen beweist, dass er/sie damit verantwortungsvoll umgehen kann (sich an abgemachte Zeiten halten, über die Spiele reflektieren, über eigene moralische Werte diskutieren).


Welche Auswirkungen haben Videospiele auf mein Kind?

Diese Frage ist generell nicht so einfach zu beantworten. Es ist als ob man fragen würde: "welche Auswirkungen hat Musik auf Jugendliche?" (dabei sind Mozart und AC/DC doch sehr verschieden). Games sind Medien und sie transportieren ganz verschiedene Inhalte, Ansprüche und Geschichten. Es gibt ganz verschiedene Arten von Videospielen, die unterschiedliche Auswirkungen auf Jugendliche haben können.


Können Jugendliche die "Realität" von der "virtuellen Welt" trennen?aggressiver Jugendlicher mit Gamepad in der Hand. Eltern fragen nach: Jugendlicher am Gamen - wie lange sollen Jugendliche höchstens gamen? Machen Killerspiele aggressiv etc.

Die meisten Jugendlichen können das sehr gut. Auch wenn Spiele immer realistischer (z.B. in Form von "Virtual Reality") werden brauchen Sie keine Angst zu haben, dass Ihr Kind Dinge, die es im Spiel erlebt, direkt in die Realität umsetzt. Wenn ein Jugendlicher Ballergames spielt, heisst das nicht, dass er Gewalt befürwortet und auch nicht, dass er die Inhalte des Spiels in die Realität umsetzt. Er wird ja handkehrum in seinem Game auch nicht mitten im Überlebenskampf an einen virtuellen Tisch sitzen und virtuelle Hausaufgaben lösen. Spiele können aber durchaus moralische Werte von Jugendlichen beeinflussen - im Positiven so wie im Negativen. Zudem ist bekannt, dass sich Jugendliche beim Gamen oft sehr ethisch verhalten, wenn sie die Möglichkeit dafür haben.


Wie ist es möglich, dass mein Kind Spiele spielt, die für sein Alter nicht geeignet sind?

Die Altersempfehlungen von Computerspielen sind rechtlich nicht bindend, d.h. es ist nicht illegal, Spiele, für die man zu jung ist, zu kaufen oder herunterzuladen. Spielehändler halten sich aber auf freiwilliger Basis an diese Richtlinien und fragen i.d.R. Jugendliche nach dem Ausweis. Über Downloadplattformen wie Steam können Jugendliche recht einfach auch Spiele herunterladen, die für ihr Alter nicht geeignet sind.


Kann ich kontrollieren, welche Games mein Kind spielt?

Technisch gesehen ja. Jede handelsübliche Spielkonsole (PS3, PS4, XBOX 360, XBOX One) und die meisten Spieledownloadportale (Steam, Google Play Store, App-Store) verfügen über sogenannte "Parental Control-Settings". Hiermit ist gemeint, dass Sie als Erziehungsberechtigte(r) Einstellungen vornehmen können, die definieren, welche Spiele Ihr Kind spielen darf. Geben Sie mal den Namen der Spielkonsole und das Stichwort "Parental Control" in Youtube oder Google ein und schauen Sie nach.


Machen "Killerspiele" Jugendliche aggressiv?

Wissenschafltich gesehen ist die Frage umstritten. Tendenziell ist davon auszugehen, dass aggressive Medieninhalte (auch Bücher!) aggressives Verhalten von Jugendlichen fördern können (hier lesen sie mehr dazu). Es gibt aber andere Faktoren, die wesentlich mehr zu aggressivem Verhalten beitragen als Videospiele (Bsp. die Beziehungsqualität mit den Eltern, die Fähigkeit, eigene Impulse zu kontrollieren, psychische Störungen, etc.). Zudem ist anzunehmen, dass die Effekte von Videospiele auf aggressives Verhalten / aggressive Einstellungen sehr gering sind.

Die Wissenschaft kann aber keine direkte Aussage zu Ihrem Jugendlichen machen. Viele Jugendliche können mit Ballerspielen Frust ablassen. Kurzfristig betrachtet haben viele Videospiele auf das Nervensystem einen "aktivierenden" Charakter, so dass es oft vorkommt, dass Jugendliche kurz nach dem Spielen eher gereizt sein können. In der Frage, wie sich Videospiele auf Ihren Jugendlichen auswirken, sind Sie der Experte. Eltern nehmen wahr, wenn etwas nicht stimmt mit Ihren Jugendlichen (auch wenn sie von den Videospielen oft weniger Ahnung haben als ihre Kinder). Nehmen Sie Ihr Bauchgefühl ernst und handeln Sie danach.


Warum hat mein Jugendlicher so eine Freude daran, sich in Videospielen so antisozial und aggressiv zu verhalten?

Weil es in der heutigen Gesellschaft sehr wenig Platz für die Entwicklung einer gesunden, kanalisierten Aggressivität gibt, die einem dabei hilft, sich im Leben und Beruf durchzusetzen, für sich einzustehen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Jugendliche messen gerne ihre Kräfte und wollen sich stark und mächtig fühlen. Salopp gesagt: Wenn Rangkämpfe auf dem Pausenplatz unterbunden werden, tragen sie diese halt vor dem Bildschirm aus.


Aus welchen Gründen entsteht eine Computerspielsucht?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Häufig hat es damit zu tun, dass Jugendliche sich ihren Entwicklungsaufgaben nicht stellen können und die Computerspiele den Jugendlichen dabei helfen, negative Emotionen zu betäuben. Hier lesen Sie mehr zur Entstehung von Videospielsucht.


Was sind vor- und Nachteile von Videospielen?

Es kommt immer darauf an, um welche Art von Spielen und um welche Person es sich handelt. Hier einige Chancen und Risiken (keine abgeschlossene Aufzählung):

Chancen

•Förderung von Reaktionsgeschwindigkeit, vernetztem Denken, komplexen Problemlösungsstrategien und Intelligenz
•Entspannungstechnik
•Ventil für Aggression
•Erlebnis von Stärke, Kompetenz, Macht
•Kreativität
•Sich in anderen Rollen ausprobieren

Risiken

•Training des Gehirns auf permanente Glückshormonausschüttung (Suchtgefahr)
•Überreizung des Nervensystems (Schlafbedürfnis, Appetit, Immunsystem)
•Negative Beeinflussung des Wertesystems
•Weniger Bewegung
•Vernachlässigung von Alltagsprioritäten
•Positive Emotionen auf Knopfdruck (Ausweichen von negativen Emotionen)


Wieviel Zeit sollte mein Kind maximal gamen?

Die effektive Spielzeit ist nicht alleine dafür ausschlaggebend, ob man sich als Eltern sorgen machen muss oder nicht. Viel ausschlaggebender ist die Funktion, die Videospiele im Leben eines Jugendlichen einnehmen. Beim einen Jugendlichen können 2h / Tag problematisch sein, während dem ein anderer Jugendlicher damit gut umgehen kann. Meine Faustregel für die mindestens vertretbare Effektive Spielzeit, bei der man sich als Eltern i.d.R. keine Sorgen zu machen braucht, ist: ((Alter - 7) * 10). D.h. bei einem 10 Jährigen Jugendlichen wären 30 min vertretbar, bei einem 16 jährigen Jugendlichen demnach ca. 90 min. Verschieben sich die Prioritäten immer mehr vom Alltag auf die Videospiele und wird quasi jede freie Minute gespielt, ist das auf jeden Fall ein Warnsignal.


Soll ich als Elternteil mit meinem Kind zusammen Computerspiele spielen?

Ja, das ist eine gute Idee. Dabei ist wichtig, dass sie die Videospiele nicht "heruntermachen", sondern eine gute Kommunikationsebene über das Spiel finden. Sonst wird Ihnen Ihr(e) Jugendliche(r) das nächste Spiel nicht mehr zeigen. Sagen Sie ruhig ihre Meinung zum Spiel, ohne wertend zu sein. Oft sind Jugendliche unglaublich gut, in den Spielen, die sie mögen. Umso besser, wenn sie in ihrem Können von Eltern oder Bezugspersonen wahrgenommen werden. Versuchen Sie gemeinsames Spielen auch dafür zu nutzen, um über Medien, Ethik und Einstellungen zu diskutieren.


Kinder von anderen Eltern spielen weniger als mein Jugendlicher, muss ich mir Sorgen machen?

Nehmen Sie nicht andere Eltern, sondern Ihr Bauchgefühl als Gradmesser. Sie merken, wenn etwas nicht (mehr) stimmt.


"Alle in meiner Klasse dürfen dieses Spiel spielen außer ich" - bin ich zu streng?

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Selten besitzen "alle" in der Klasse dasselbe Spiel. Sie dürfen Spiele verbieten, wenn Sie merken, dass diese Ihren Jugendlichen nicht gut tun. Einen solchen Entscheid müssen Sie aber vorbereiten (informieren, beobachten, abwägen) und gegenüber Ihrem Jugendlichen vertreten können. "Es ist so, weil es so ist" reicht Jugendlichen nicht als Antwort.


 

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Würden Sie Ihrem/Ihrer minderjährigem/n Jugendlichen prinzipiell Spiele ab 18 Jahren verbieten?

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