Handy / Smartphone nachts im Zimmer? Warum schädlich?

Handy nachts im Kinderzimmer? Was Eltern darüber wissen sollten

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„Mama, ich will doch noch ein wenig Youtube schauen!“ Leo (13) weint, als ihm seine Mutter Kathrin (41) das Handy wegnimmt und versteht die Welt nicht mehr. Seine Mutter ist doch auch nicht besser. Warum soll er jeden Abend um 20:30 sein Smartphone abgeben während dem seine Mom noch vor der Glotze sitzt?

Der Kampf ums Smartphone

Der abendliche Kampf ums Smartphone gehört in vielen Familien mit Teenagern zum Alltag. Jugendliche möchten ihre Freiheit genießen – und es fällt ihnen schwer abends das Handy wegzulegen. Mit viel argumentatorischem Geschick verteidigen sie ihr scheinbares „Grundrecht“, das Smartphone auch nachts auf ihrem Zimmer haben zu dürfen. Intuitiv wissen viele Eltern, dass die Präsenz des Smartphones rund um die Uhr problematisch ist. Aber warum? Was passiert, wenn Ihr Kind das Smartphone abends mit ins Bett nimmt? Wie argumentieren Eltern am besten und welche Regeln sind sinnvoll?


Handy abends weg? Aber warum?

Die Möglichkeiten eines Smartphones sind Teenager rund um die Uhr verlockend. Von der Hirnentwicklung her ist es gerade für jüngere Teenager sehr schwer, dem Reiz zu widerstehen, das Gerät in die Hand zu nehmen und beispielsweise nochmals die WhatsApp-Nachrichten zu checken oder ein Spiel zu spielen.


Das Smartphone kann nervös machen

Digitale Tätigkeiten wie die Kommunikation mittels sozialen Medien oder das Spielen von Games werden im Gehirn anders verarbeitet als Tätigkeiten wie z.B. Lesen. Im Gegensatz zum Lesen (einer an und für sich sehr monotonen Tätigkeit), welches das Gehirn eher beruhigt, lösen Social Media und Games eher „Spannung“ statt „Entspannung“ aus. Auch wenn ihre Kinder das subjektiv anders wahrnehmen – viele Smartphonetätigkeiten sind einfach schlecht dafür geeignet, um innerlich „abzuschalten“ und „herunterzufahren“. Ist das Gehirn erstmal aktiviert und kann diese Aktivierung nicht über körperliche Bewegung abgebaut werden, fällt das Einschlafen schwer.


Das Blaulicht der Smartphone-Bildschirme wirkt sich negativ auf die Schlafqualität aus

nachts das Handy weglegen. Blaulicht. Sonnenuntergang und rotes Licht
Durch die flache Einstrahlung der Sonne in die Erdatmosphäre wird das blaue Licht absorbiert und reflektiert. Darum erscheinen Sonnenuntergänge rot. Daran hat sich unser Gehirn gewöhnt und wir verarbeiten die Aufnahme von blauem Licht als „Tag“, weshalb uns Handybildschirme mit Blaulichtabstrahlung nachts schlecht schlafen lassen.

Die Studie von Chang et. al. (2014) zeigt auf, dass das blaue Licht, welches von LED-Bildschirmen (z.B. Smartphonebildschirmen) ausgestrahlt wird, sich negativ auf die Schlafqualität auswirkt. Chang et. al. fanden heraus dass sich durch den Gebrauch solcher Bildschirme die Einschlafzeit verlängert, der Melatoninspiegel (quasi das „Einschlafhormon“) senkt und die Tiefschlafphase später eintritt. Insgesamt zeigten die Probanden der „Bildschirmgruppe“ im 14-tägigen Beobachtungszeitraum eine signifikant schlechtere Schlafqualität auf als die Kontrollgruppe. Interessant ist, dass das Gehirn das Vorhandensein von Blaulicht als „Tageslicht“ interpretiert. Strahlt die Sonne am Abend flacher auf die Erde, wird das Blaulicht durch die Erdatmosphäre gebrochen und reflektiert, so dass weniger Blaulicht durch die Augen aufgenommen wird (durch das Fehlen des blauen Lichts erscheinen die Sonnenuntergänge rot). Blaues Licht heisst Tag – kein blaues Licht heisst Nacht – an diese Formel ist unser Gehirn offenbar seit tausenden von Jahren eingestellt.


Falscher Verdacht

Lassen Eltern ihren Kindern das Smartphone über Nacht, kann das zu falschen Verdächtigungen führen. Schläft ein Kind schlecht ist der Verdacht naheliegend, das Kind hätte die letzte Nacht zu lange gezockt / gechattet. Schützen Sie Ihr Kind vor diesem falschen Verdacht.


Fehlende Begleitung

Eltern haben die Aufgabe ihre Teenager bis zu einem gewissen Grad in deren medialen Tätigkeiten zu begleiten um sie auch in der Begegnung mit Internetrisiken zu schützen und aufzuklären. Sind die Jugendlichen nachts mit geschlossener Türe inklusive Handy im Zimmer, fehlt den Eltern die Möglichkeit, die Internettätigkeiten ihrer Kinder zu begleiten und zu beobachten.


Wie setze ich diese Regel am besten um?

  • Seien Sie selber ein Vorbild. Auch Eltern sollten nachts ihr Handy in der Küche o.ä. aufladen.
  • Klären Sie Ihr Kind über die Gründe darüber auf, weshalb Sie sich für ein nächtliches Handyverbot entschieden haben.
  • Sprechen Sie mit anderen Eltern über Ihren Umgang mit dem Smartphone Ihres Kindes. Ziehen andere Eltern mit, verpasst Ihr Kind auch weniger nächtliche Chats.
  • Stellen Sie das Wlan nachts aus und sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind keine Internet-Flatrate hat. So haben Sie die Kontrolle.
  • Beachten Sie bei den Regeln rund ums Handy das Alter des/der Jugendlichen. Selbstverständlich sollte ein 17 jähriger Teenager mehr Freiheiten haben als ein 12-Jähriger Sechstklässler.
  • Seien Sie flexibel in den Regeln. Es gibt manchmal besondere Umstände (Ferien, erste große Liebe, Wochenende), welche einen anderen Umgang mit dieser Regel erfordern
  • Kaufen Sie Ihrem Kind einen analogen („stinknormalen“) Wecker. So ermöglichen Sie Ihrem Kind das Aufstehen ohne Smartphonewecker.
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