Medienkompetenz: Mutter spielt mit ihrem als Superheld verkleideten Sohn Videospiele

Wie Eltern die Medienkompetenz ihrer Kinder fördern

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Auch wenn Kinder bereits in jungem Alter sehr geschickt darin sind, elektronische Geräte zu bedienen – ein verantwortungsvoller Umgang mit neuen Medien (Smartphone, Internet, Videospiele, digitale Kommunikation, usw.) muss gelernt sein. Kinder, die die Risiken neuer Medien nicht kennen und diese nicht bewältigen können, sind in ihrer Entwicklung gefährdet.  In diesem Artikel möchte ich Ihnen einige Tipps geben, wie Sie Ihre Kinder für die spannende – aber anspruchsvolle Welt voller neuen Medien rüsten können.


1.) Leben Sie einen gesunden Umgang mit neuen Medien vor

Egal wie oft man einem Kind auch sagt „schalt jetzt endlich mal den TV aus“ – das Kind wird nicht verstehen warum es dies tun soll, wenn sich die Eltern nicht vorbildlich verhalten. Kinder nehmen Personen, die ihnen nahe stehen und die sie lieben ständig als Vorbilder und imitieren ihr Verhalten. Bekämpfen Eltern beispielsweise ihre Langeweile mit dem Smartphone, wird es den Kindern schwer fallen, dies später anders zu machen. Vorbild in Sachen neue Medien sein, könnte heissen:

  • Gehen Sie in Gegenwart ihrer Kinder sparsam mit Handy, TV, Tablet und co. um.
  • Hinterfragen Sie ihren eigenen Medienkonsum.
  • Regen Sie auch Ihren Partner an, seinen Medienkonsum im Familienleben auf das Nötigste zu reduzieren

2.) Seien Sie präsent!

Mutter im Blickkontakt mit neugeborenem Baby
Elterliche Präsenz im Sinne von Zugewandtheit und Offenheit gegenüber eines Kindes ist für dessen psychische Gesundheit essentiell.

Präsenz ist hier nicht zeitlich gemeint. Viel mehr verstehe ich Präsenz als Zugewandtheit und Offenheit gegenüber der Familie und der gegenwärtigen Situation im Hier und Jetzt. Auch Eltern sind versucht, sich mittels Smartphone, Internet usw. dem (anstrengenden) Alltag zu entziehen. Präsente Eltern sind ein wichtiger Schutzfaktor für Kinder. Durch die elterliche Präsenz lernen Kinder, dass Beziehung hauptsächlich ohne Medien stattfindet. Zudem stärkt die elterliche Präsenz und die dadurch vertiefte Beziehung mit den Kindern deren psychische Gesundheit. Elterliche Präsenz heißt nicht, etwas Spezielles zu tun oder besonders aktiv mit den Kindern zu sein, sondern es kann sogar heißen, gemeinsam gelangweilt zu sein.


3.) Fördern Sie alles, was mit Natur, den Sinnen und mit der Selbstwahrnehmung zu tun hat

Jugendliche mit exzessivem Medienkonsum verfügen oft über eine sehr schlechte Beziehung zum eigenen Körper. Oft fehlen Erfahrungen des „sich wohl fühlen im Körper“ oder die Verbindung zur Natur. Neue Medien wie Videospiele das Potential, die Wahrnehmung des Konsumenten vom eigenen Körper komplett in die virtuelle Welt zu verlagern. Erschöpfung, Müdigkeit, Zeit und Hunger werden verzerrt (oder gar nicht) wahrgenommen. Dieses ständige „Training“ der Aufmerksamkeit von sich selber weg verschlechtert die Beziehung zu sich selber. Eltern können Kinder von früh auf dabei unterstützen, wertvolle Erfahrungen in der sinnlichen Wahrnehmung und in der Selbstwahrnehmung zu machen und ihnen so ein gutes Fundament fürs Jugendalter und Erwachsenenleben mitgeben.


4.) Machen Sie Medien aktiv zum Thema

Thematisieren Sie Medien, wo immer dies im Alltag möglich ist. Hinterfragen Sie offen das Konsumverhalten ihrer Kinder und bieten Sie sich aktiv als Gesprächspartner an. Scheuen Sie sich nicht davor, auch die Risiken von neuen Medien frühzeitig anzusprechen und interessieren Sie sich dafür, was Ihre Kinder warum tun.


5.) Seien Sie zurückhaltend mit Wertungen

Oftmals ist es für Eltern schwierig zu verstehen, was ihre Kinder z.B. an einem Game oder an einer Social-Media-Plattform so toll finden. Dies verleitet viele Eltern dazu, diese Tätigkeiten negativ zu bewerten. Genauer betrachtet ist dies aber kontraproduktiv. Kinder und Jugendliche hören nicht auf, ein bestimmtes Spiel zu spielen, nur weil es die Eltern nicht toll finden – im Gegenteil. Die medialen Tätigkeiten der eigenen Kinder negativ zu bewerten kann dazu führen, dass die Kinder die Bereitschaft verlieren, ihren Eltern bestimmte Inhalte zu zeigen oder diesen Tätigkeiten im Geheimen nachgehen. Viel besser ist es, wenn Eltern ihre Meinung zu einem Spiel o.ä. klar sagen, das Spiel an sich aber nicht abwerten. So können die Eltern auch die Türe für eine spannende, kontroverse Diskussion öffnen. (z.B. „Also mir würde dieses Ballergame wirklich keinen Spaß machen, aber ich merke, Dir gefällt es sehr, warum?“).



Literaturtipp:  Medien-Kids: Bewusst umgehen mit allen Medien – von Anfang an. Ein Ratgeber für Eltern von der Medienpädagogik-Expertin Dr. Eveline Hipeli. Mit umfassenden Informationen über Kinder und Medienkonsum.

Tipp: Gratis Download des Ratgebers zur Medienkompetenz der „Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften“.

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