jugendlicher spielt ein zombie-game und hält in der hand einen controller

13-Jährige sind für Spiele ab 18 zu jung!

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Umfrage

Würden Sie Ihrem/Ihrer minderjährigem/n Jugendlichen prinzipiell Spiele ab 18 Jahren verbieten?

Hier findet sich die Interpretation der Resultate der Umfrage.

 

In meinem beruflichem und privatem Umfeld beobachte ich immer wieder das Phänomen, dass 13- oder 14-jährige Knaben Computerspiele spielen, die für Jugendliche ab 18 Jahren vorgesehen sind. Dieses Phänomen möchte ich im Folgenden diskutieren.


Meine Haltung zu Altersbegrenzungen

Ich persönlich habe meiner Ansicht nach eine eher liberale Haltung Altersbegrenzungen gegenüber. Es handelt sich ja um eine künstliche und pauschale Begrenzung zu sagen, ein Spiel ist erst ab 18 Jahren. Diese Begrenzung finde ich für die meisten Jugendlichen sinnvoll. Der Einzelfall, der mich als Psychotherapeut ja primär betrifft, kann aber durchaus davon abweichen.

Deshalb finde ich es aus psychologischer Sicht nicht grundsätzlich falsch, wenn Eltern einen Jugendlichen beispielsweise mit 17 Jahren für reif genug halten, ein Spiel ab 18 zu spielen, sofern sie ihren Jugendlichen und das Spiel genau einschätzen können.

Umgekehrt: Es ist auch nicht grundsätzlich falsch wenn Eltern einem 19-Jährigen Jugendlichen ein Spiel verbieten wollen, weil sie ihn für das Spiel (mit dem sie sich auseinandergesetzt haben) als nicht reif genug empfinden (ob sie das Spiel ihrem "erwachsenen Jugendlichen" verbieten können, ist eine andere Frage).

Wichtig für den Entscheid "Du darfst das (nicht) spielen" ist aus meiner Sicht, dass sich Eltern und Jugendliche dezidiert mit der Materie auseinandersetzen. So fällt es Jugendlichen leichter, sich an Regeln zu halten, als wenn diese willkürlich und pauschal getroffen werden.

In meiner Haltung gegenüber Onlinestores, Händlern und Läden bin ich weniger liberal. Sie sollen sich streng an die Altersangaben der Spiele halten und das Alter der Käufer überprüfen. Sie kennen den Entwicklungsstand ihrer Käufer nicht und haben hier eine grosse Verantwortung zu tragen.


13 Jahre ist zu jung!

Wenn Eltern aber Jugendlichen ab 13- oder 14 Jahren Spiele ab 18 Jahren erlauben, finde ich das ein wesentlicher Unterschied. Auch wenn Computerspiele aus Jugendlichen keine Amok-Täter machen, haben sie doch (wie andere Medien auch) das Potential, die Werte und das Verhalten der Jugendlichen zu beeinflussen (im Positiven wie im Negativen). Spiele ab 18 können Jugendliche auch beängstigen oder verstören. Schon oft habe ich erlebt, das 13-Jährige von Spielen ab 18 Jahren erschreckt wurden, so dass sie die Spiele nicht mehr spielten oder verkauften.


Warum spielen viele Minderjährige Spiele ab 18?

Die einfache Zugänglichkeit

Auch wenn sich Händler meines Wissens nach oft vorbildlich an die Altersfreigaben halten, kommen Jugendliche relativ leicht an Spiele ab 18 Jahren heran. Beispielsweise können sie mit der Kreditkarte der Eltern ein Spiel online bezahlen und downloaden (z.B. auf der Spieleplattform Steam). Oder sie kaufen sich eine Steam-Geschenkkarte an einer Tankstelle und lösen diese online ein. Spiele ab 18 werden auch von Privatpersonen - beispielsweise auf Ebay oder Ricardo - zum Verkauf angeboten, welche keine Alterskontrolle durchführen (müssen). Häufig spielen auch die grossen Geschwister eine Rolle, die sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren jüngeren Bründern / Schwestern nicht bewusst sind und die Spiele in Anwesenheit der Jüngeren spielen oder ihnen diese zugänglich machen.


Eltern sind unter Druck

Eltern haben manchmal die Vorstellung, dass sie über Dinge, die sie nicht verstehen, keine Regeln machen dürfen. Auch wenn nicht alle Eltern Videospielexperten sind - die meisten Eltern sind absolute Experten, was ihre Kinder betrifft und sollen durchaus mutig Entscheidungen treffen.

Versuchen Eltern, einem Kind ein Videospiel zu verbieten, stossen sie oft auf massive Gegenwehr der betroffenen Jugendlichen. "Aber Papa, ALLE Kinder in meiner Klasse spielen dieses Spiel!". Das kann schon sein, aber das wäre dann durchaus ein guter Grund für die Eltern, sich mal mit den anderen Eltern dieser Klasse in Verbindung zu setzen und sich darüber auszutauschen, ob das wirklich stimmt.

Oftmals stehen Jugendliche auch unter einer Art Gruppendruck, ein Spiel quasi spielen zu müssen, um dabei zu sein. Auch dies wäre für Eltern sehr wichtig zu wissen. Jugendliche haben oft Angst, ausgeschlossen zu werden und auch viele Eltern haben die Befürchtung, ihr Kind wird ausgeschlossen, was Eltern ein schlechtes Gewissen machen kann. Hier sollte sorgfältig abgewogen werden, was überwiegt: Die Gefahr, nicht mehr dabei zu sein oder die nichtjugendfreien Inhalte eines Spiels.


Tipps für Eltern

  •   Machen sie die grossen Geschwister auf ihre Verantwortung gegenüber den kleinen Geschwistern aufmerksam
  •   Setzen Sie sich mit den Spielen ihrer Kinder auseinander, so wissen Sie bescheid und Sie werden ernster genommen
  •   Überprüfen Sie, für was Ihre Kreditkarte im Internet gebraucht wird
  •   Setzen Sie sich mit anderen Eltern in Verbindung
  •   Getrauen Sie sich, Inhalte, die für ihr Kind nicht angemessen sind, zu verbieten (Filme, Spiele, Bücher...). Kommunizieren Sie aber gleichzeitig auch, an was sie merken würden, dass ihr Kind mit solchen Inhalten verantwortungsvoll umgehen könnte

 

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