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Pubertät – 5 Fakten, die Eltern wissen sollten

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Heute möchte ich wieder einmal einige Überlegungen zu einem weniger spezifisch "digitalem Thema" in meinem Blog aufnehmen - nämlich zum Thema Pubertät. Die Pubertät ist für Jugendliche, wie für Eltern bekanntermaßen eine große Herausforderung. Obwohl viele Eltern und Jugendliche über diese Entwicklungsphase gut informiert sind, kommt es oft zu Missverständnissen zwischen Eltern und Kindern. 


Nicht nur der Jugendliche - das ganze System verändert sich

Ein häufiges Missverständnis zwischen Eltern und Kindern ist, dass Pubertät Sache der Jugendlichen sei. Mit dem Eintritt des Kindes in die Pubertät verändert sich nicht nur der Jugendliche - nein das ganze Familienleben verändert sich. Viele Regeln, die früher noch eingehalten wurden, werden auf einmal hinterfragt. Jugendliche wollen weniger mit der Familie unternehmen und werden selbstständiger.

Eltern werden durch die Pubertät ihrer Jugendlichen auf einmal wieder mit ihrer eigenen Pubertät konfrontiert:


"durften wir das damals?"

"wie sind meine Eltern mit mir damals umgegangen?"

"ich kann so gut mitfühlen, wie es meiner Tochter in dieser Situation geht"


Auch die Eltern müssen sich verändern. Regeln und Werte, die bis anhin wie in Stein gemeißelt schienen, werden auf einmal hinterfragt. Eltern müssen Kompromisse finden und bereit dafür sein, sich den Ansichten ihrer Jugendlichen zu stellen, sich selbst zu hinterfragen und an der Entwicklung ihrer Jugendlichen zu wachsen.


Gehirnentwicklung - Emotionen statt Vernunft

Das Gehirn von Jugendlichen gleicht in der Pubertät einer "Baustelle". Der Frontale Kortex, der das "vernünftige handeln" koordiniert ist noch in den Kinderschuhen, während dem das Zentrum für Emotionen - die Amygdala - bereits weitgehend fertig gestellt ist. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen vernünftigem Handeln / Denken und impulsivem, emotionalem Handeln. Letzteres dominiert in der Pubertät - rein aufgrund der Hirnentwicklung.


Entwicklungsaufgaben - eine riesen Herausforderung

Jugendliche müssen sich in der Pubertät ganz vielen Entwicklungsaufgaben stellen. Die Zentralste davon ist die Entwicklung einer eigenen Identität. Dazu gehört, dass sich Jugendliche von ihren Eltern abgrenzen, Grenzen testen und Dinge ausprobieren (Bsp. auch Suchtmittel, Rebellion gegen Eltern und Lehrer, etc.). Ganz normal ist auch, dass bei diesem Ausprobier-Verhalten Grenzen überschritten werden können.

Gleichzeitig entwickeln Jugendliche auch eine Sexuelle Identität (wer/wie bin ich als Mann/Frau). Allmachtsphantasien wechseln sich mit Minderwertigkeitsgefühlen ständig ab und die Hormone spielen verrückt. Und mitten in dieser unsicheren, verletzlichen Lebensphase müssen sich Jugendliche mit der Berufswahl beschäftigen - ohne zu wissen, wer sie eigentlich sind? Ist das nicht überfordernd?


Eltern fühlen sich als Tankstelle

Jugendliche in der Identitätsentwicklung müssen sich von ihren primären Bezugspersonen (i.d.R. Eltern) ablösen. Dazu gehört, dass sie versuchen, mit schwierigen Gefühlen und Problemen selber umzugehen. Dabei können sich Eltern wie eine Tankstelle fühlen:


Brigitte (42): "Meine Jugendlichen kommen nur noch zu mir, wenn sie eines der folgenden Dinge brauchen: Liebe, Geld, Essen oder saubere Wäsche"


Auch wenn das für Eltern hart sein kann - es ist nicht gegen sie gemeint. Kinder versuchen in der Pubertät probehalber alleine klar zu kommen. Für das Erwachsenenleben ist dies eine wichtige Übung. Wenn Jugendliche aber wirklich überfordert sind, kommen sie erfahrungsgemäß aber nach wie vor zu den Eltern.


Krisen sind normal

Emotionale Krisen von Jugendlichen (und manchmal auch Eltern), Streit, Regelverletzungen und Grenzüberschreitungen können in der Pubertät dazu gehören. Wenn Krisen auftreten, heißt das also nicht, dass Eltern oder Jugendliche irgend etwas falsch gemacht haben, sondern lediglich, dass die Jugendlichen "den sicheren Hafen" in Richtung "Erwachsenenleben" verlassen haben.



Literaturtipp:
Für Eltern, die das Thema Pubertät vertiefen möchten, kann ich das Buch von Jan-Uwe Rogge (2012) Pubertät: Loslassen und Haltgeben
sehr empfehlen. Ich finde, das Buch hilft Eltern, die Pubertät und ihre Jugendlichen zu verstehen. Mit vielen bildhaften Beispielen und Humor gibt der Autor Ideen für ein gutes Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern.

 

 


 

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